Vom Bubble Dress zum Festival Lacoste

Pionier des Designs und der Mode

Nur wenige Designer haben so viele ihrer Ideen Wirklichkeit werden sehen wie Pierre Cardin. Fünf Meilensteine eines Visionärs…

Die Geschichte des Designers und Unternehmers Pierre Cardin fasziniert bis heute. 66 Jahre sind seit der Gründung des gleichnamigen Modelabels vergangen. Müde? Ist der mittlerweile 94-Jährige noch immer nicht geworden.

1954: Das Bubble Dress

Schon Mitte der 1940er stellt der junge Cardin bei Modehäusern wie Paquin, Schiaparelli und Dior sein Können unter Beweis. Doch erst das für seine eigene Kollektion entworfene Bubble Dress macht den Designer 1954 weltweit bekannt. Kurz darauf eröffnet er seine erste Boutique namens Eve in der Rue du Faubourg Saint-Honoré 118 in Paris. Drei Jahre später folgt das männliche Pendant Adam. Mit der Ausweitung auf eine Männerkollektion gilt Cardin bis heute als Pionier.

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„Meine Mode drückt nicht die Zeit aus, die in der Luft liegt, sondern die Gedanken und die Haltung eines Zeitraums. Ich schaue nicht zurück, sondern nach vorne.“

Pierre Cardin

1958: Große Ehre(n)

Pierre Cardin erhält in Boston seinen ersten Preis: den Young Designers Award. Dabei soll es nicht bleiben. Von Deutschland bis Japan folgen unzählige Auszeichnungen und Ehrungen – unter anderem der Verdienstorden der Italienischen Republik im Jahr 1988 sowie 1991 der Orden des Heiligen Schatzes, die höchste Auszeichnung, die in Japan verliehen werden kann. Im selben Jahr wird Cardin Sonderbotschafter der Unesco. Seither engagiert er sich vor allem für die Opfer der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.

1979: Cardins Mode hebt ab

Besteck, Porzellan, Möbel, Plattenspieler – es gibt kaum etwas, das Pierre Cardin nicht entworfen hat. So stammte auch der gestreifte Sitzbezug des Sportcoupés AMC Javelin von ihm. 1979 geht eines seiner Designs erstmals in die Luft: Für Atlantic Aviation entwickelt Cardin unter anderem das Interior-Design des Business-Jets Westwind 1124. Besonders bekannt wird er jedoch mit seinen Möbeln, die er zu Beginn der 1970er Jahre entwirft. Mit ihren farbintensiven, glänzenden Oberflächen und den ungewöhnlichen Formen wecken sie noch heutige Erinnerungen an Skulpturen der klassischen Moderne.

1995: Big in China

Nachdem er bereits in den 1970er-Jahren Kontakte ins Reich der Mitte knüpfen konnte, schließt Pierre Cardin 1995 einen Vertrag mit der chinesischen Regierung ab. Fortan produziert er die Uniformen für Armee, Polizei und sogar für die Piloten und Flugbegleiterinnen von Air China. Zuvor hatte er bereits die Fluguniformen für Olympic Airlines, American Airlines, Pakistan Airlines und Alaska Airlines entworfen.

2001: Das Festival-Schloss

Im Mai 2001 kauft Cardin das ehemalige Schloss des Marquis de Sade im südfranzösischen Lacoste. Bekannt wurde der adelige Schriftsteller vor allem mit seinen teils obszönen, kirchenfeindlichen Romanen wie den „120 Tagen von Sodom“. Seit 2002 dient die historische Burgruine seines einstigen Wohnsitzes als Austragungsort des von Cardin ins Leben gerufenen Festivals Lacoste. Neben Theater und Tanz finden dort auch Opernaufführungen und Literaturabende statt. Im überdachten Bühnen- und Zuschauerbereich haben bis zu 300 Personen Platz.