Das Maxim’s

Eine Pariser Legende


In Paris einfach irgendwo essen gehen? Mais non. Wer etwas auf sich hält, den zieht es noch immer in dieses 1893 eröffnete Restaurant, das wie kein anderes Nostalgie mit Moderne vereint.

Vom Start weg pilgerten die internationale High Society und zahllose Größen von Bühne, Kunst oder Leinwand in das Sterne-Haus, dekoriert im herrlich ausladenden Art-Nouveau-Stil –darunter König Edward VII. von England, Salvador Dalì, Marlene Dietrich und First Lady Jackie Kennedy. Sehen und gesehen werden gehörte dabei ebenso auf die Menükarte wie üppige Gerichte der haute cuisine und die feinperligsten Champagner. Brigitte Bardot spazierte in den späten 1960ern auch schon mal barfuß durchs Maxim’s – und sorgte damit gleich für Schlagzeilen. Schummriges Licht, wohltemperierte Klavierakkorde und intellektuelle Gespräche in höchst illustrer Gesellschaft – das alles und mehr gehörte zu den besonderen Reizen des Restaurants im 8. Arrondissement.

Während andere Hotspots in den folgenden Jahrzehnten öffneten und meist ebenso rasch wieder schlossen, widersetzte sich das Maxim’s hartnäckig den gesellschaftlichen Veränderungen und kurzlebigen Trends folgender Jahrzehnte. Der Klassiker blieb sich im besten Sinne treu. Auch Couturier Pierre Cardin genoss oft und gern die Küche und die mondäne Atmosphäre des traditionsreichen Etablissements zwischen Place de la Madeleine und Place Vendôme. Für den Liebhaber und Sammler von Stücken des Art Nouveau war natürlich auch das Interieur ganz nach seinem Geschmack. Im Rahmen eines Dinners im Mai 1981, zu dem ihn das damalige Besitzerehepaar Vaudable eingeladen hatte, kam die ungewisse Zukunft des Maxim’s zur Sprache. Kurz entschlossen kaufte Cardin sein Lieblingslokal, in dem übrigens einst der junge Wolfgang Puck erste Schritte zwischen Schneidbrett und Gasherd machte. Der gebürtige Österreicher führt heute ein gastronomisches Imperium und sorgt unter anderem bei den Oscars für delikate Häppchen.

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Ambiente aus Luxus und Geschichte: Auch heute noch wird die Haute Cuisine zwischen rotem Samt, verschlungenen Jugendstilmöbeln und kunstvollen Wandmalereien serviert.

Unter Cardins Führung wurde aus dem Pariser Evergreen eine globale Marke mit elf Restaurants weltweit, davon eines auf der Madison Avenue in New York und drei in China. Im Stammhaus zeigte der Designer immer wieder seine eigenen Kollektionen, und auch Mode unter dem Linien-Namen „Maxim’s“ entwarf Cardin. Dazu kamen Parfüms, Pralinen, Weine, Blumen und sogar zwei zusätzliche Boot-Restaurants. Im Sommer können Gäste so mit dem Eiffelturm im Blick direkt auf der Seine speisen oder auf dem Bateau Ivre in der Nähe der Kathedrale Notre-Dame.

Cardin ist es zu verdanken, dass in dem denkmalgeschützten Stamm-Restaurant bis heute nie die Küche kalt blieb – und dass seit 2004 im vierten Stock ein Museum auf 200 Quadratmetern die faszinierende Historie, die zahllosen Anekdoten, Erinnerungsstücke und Paris’ einzige Art-Nouveau-Sammlung beherbergt. Letztere befindet sich größtenteils im Privatbesitz des legendären Modeschöpfers und Unternehmers: Möbel, Vasen, Lampen, Zierobjekte und Originale bekannter Künstler wie Louis Majorelle, René Lalique und Emile Gallé.

Verändert hat sich im weltbekannten Restaurant bis heute glücklicherweise kaum etwas. Weder Bauhaus-Minimalismus noch die schrillen Lavalampen der Seventies fanden ihren Weg ins Maxim’s. Wie damals werden die Gerichte auch anno 2017 zwischen rotem Samt, verschlungenen Jugendstilmöbeln und kunstvollen Wandmalereien serviert. Lediglich kulinarische Kreationen wie die mit exotischen Kumquats und Datteln gespickte Gänseleberpastete sind neueren Datums. Als absoluter Geheimtipp gelten übrigens die gelegentlichen Partys, auf denen bekannte DJs wie DJ Pierre aus Chicago oder Vincent Giumelli für perfekte Beats im geschichtsträchtigen Ambiente sorgen. Wie für Cardins zeitlos-innovative Mode gilt auch für sein Maxim’s: gestern, heute, pour toujours.