Der Citroën DS

Die gefederte Göttin

Trotz seiner über 60 Jahre sieht die Kultkarosse auch heute noch blendend aus. Ein Liebling von Design- wie Oldtimer-Fans weltweit.

Als Citroën während des Pariser Automobilsalons im Oktober 1955 sein neues Modell vorstellte, sorgte dessen ebenso ungewöhnliches Design – irgendwo zwischen Haifisch und Frosch – gleichermaßen für Aufsehen und Irritation. Mit dieser eigenwilligen, für damals übliche Baureihen extrem stromlinienförmigen Eleganz stellte der Citroën DS vom Start weg das bullige Vorgängermodell „Tracition Avant“ in den Schatten. Und etliche Konkurrenten gleich mit.

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Die Automobilindustrie horchte auf:

Kein anderes Modell verkörperte die Aufbruchstimmung, den Innovationsdrang und das Vertrauen in den Fortschritt besser als das Werk der Designer André Lefèbvre und Flaminio Bertoni. Als ehemaliger Automobilrennfahrer wusste Lefèbvre natürlich genau, worauf es ankommt, damit ein Auto schnell ist. Materialien wie Kunststoff und Aluminium sorgten etwa für eine Gewichtsreduzierung. Lefèbvres Kollege Bertoni wiederum brachte sein Wissen aus der Bildhauerei und Architektur ein und gab der äußeren Hülle den letzten Schliff – samt Wiedererkennungswert.

Die markanten Augen der Scheinwerfer, die rasante Kühlerhaube sowie Servolenkung, halbautomatische Schaltung und Scheibenbremsen waren jedoch noch nicht alles, womit der DS bei Mitbewerbern und Kundschaft gleichermaßen für Schnappatmung sorgte. Einzigartig für die damalige Zeit war vor allem eines: die von Paul Mages entwickelte hydropneumatische Federung, mit der die Karosserie auf konstanter Höhe blieb. Während andere Modelle lautstark über Schlaglöcher hinwegpolterten, glich der DS alle Unebenheiten elegant schwebend aus.

Die Zukunft auf vier Rädern war geboren und markierte den Aufbruch in eine neue Zeit, die – es hätte kaum passender sein können – auch noch mit dem Wirtschaftswunder ab dem Jahr 1955 einherging. Noch bevor der Automobilsalon zu Ende war, wurde der Citroën DS zum Verkaufsschlager: Von Paris bis Hamburg wollte jeder in dem futuristischen Gefährt durch die Gegend fahren.

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Auch der französische Präsident Charles de Gaulle ließ es sich nicht nehmen, bei offiziellen Anlässen im DS vorzufahren. Am 22. August 1962 entging er darin nur knapp einem Attentat. Dank der eingebauten Hydropneumatik fuhr der Wagen trotz eines zerschossenen Reifens weiter und behielt die Balance. Nachgestellt wurde das Attentat im Polit-Thriller „Der Schakal“ von 1973 – ebenfalls historisch korrekt und stilecht in einem DS.

Auch in Filmen wie „Fantomas“, „The French Connection“ oder „Gattaca“ von 1997 ist er zu sehen. Zwischen dem Sci-Fi-Streifen mit Ethan Hawke und der Automobil-Premiere in Paris lagen zwar rund 42 Jahre, doch für den DS scheint Zeit keine Rolle zu spielen. Sein zeitloses Design begeistert und inspiriert. Bis heute.

Den Modellnamen DS hat die Citroën-Göttin einer verkürzten Ableitung des ursprünglichen Seriennamens VGD (Voiture à grande diffusion) zu verdanken. Die Aussprache DS ähnelt dazu der des französischen Worts „déesse“, zu Deutsch „Göttin“. Treffend. Vive la légende – es lebe die Legende.