Bauhaus-Klassiker

Der Sessel F51

Mit wenigen Klicks können sich Designfans den legendären Fauteuil von Walter Gropius individuell bauen (lassen). Der Clou: Das Modell F51, entworfen vom Vater der Bauhaus-Bewegung, richtet sich nach Ihrem Farbgeschmack.

„Meine Möbel kann man in die Mitte eines Raumes stellen. Ihre Vorderseite ist so schön wie Ihre Rückseite.“ Das verkündete Pierre Cardin selbstbewusst, als er in den 70er-Jahren mit der avantgardistischen Möbelserie „Sculptures Utilitaires“ der Designwelt wieder einmal neuen Gesprächsstoff lieferte. Seine lackierten Bugholzmöbel im geometrischen Stil, beispielsweise das Stuhl-Tisch-Ensemble „Cobra“, sollten Cardins futuristische Modekollektionen mit Wohnobjekten ergänzen. Der Trend namens „Pret-à-meubler“ war geboren.

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Für den legendären Sessel F51, den Gropius in den 20er-Jahren für das Direktorenzimmer im Bauhaus Dessau entwarf, standen nicht der von Cardin geschätzte Surrealismus, sondern Quadrat und Würfel (Design-)Pate. Obwohl der F51 optisch kompakt war, verlieh ihm der damals neue Kragarm-Träger einen leichten, fast schwebenden Charakter. Der Polstersessel reihte sich zusammen mit der „Wagenfeld-Lampe“ und dem „Wassily-Stuhl“ in die bis heute unsterblichen Klassiker jener Ära ein.

Weil aber auch Ikonen manchmal mit der Mode gehen müssen, verpasst Hersteller Tecta dem F51 nun einen komplett neuen Anstrich. Sprichwörtlich: In 141 Farben ist er bestellbar – darunter Smaragdgrün, Fuchsia oder Himmelblau, edle Grauabstufungen, Purpur-, Pflaumen- oder Tintentöne. Dazu gibt es sieben verschiedene Materialoberflächen, die von samtigem Baumwoll-Velours bis zu Schurwolle, Leder oder Kavallerietuch reichen. Mithilfe eines Konfigurators können Kunden aus insgesamt 564 Kombinationen wählen.

Das Bauhaus-Archiv in Berlin zeichnete die Re-Edition, die originalgetreu von Tecta in der hauseigenen Manufaktur in Lauenförde hergestellt wird, mit dem Bauhaus-Signet aus, einem 1922 von dem Maler und Bildhauer Oskar Schlemmer entworfenen Prädikat.

Info: www.tecta.de; www.bauhaus-online.de

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Ausstellungstipp:

Wer noch tiefer in die Welt des Bauhaus eintauchen möchte, sollte sich die Ausstellung „The Bau-haus Spirit“ nicht entgehen lassen. Alle wichtigen Design-Ikonen können vom 19. Oktober 2016 bis zum 26. Februar 2017 in den Pariser Museen „Musée des Arts décoratifs“ und „Musée Nissim de Camondo“ bestaunt werden.

Info: www.lesartsdecoratifs.fr

Fotos: HG Esch; Heissingsart