„Men and Style“ von David Coggins

(K)Ein Mode-Regelwerk


Stilratgeber gibt es wie Smokings auf dem Opernball. Trotzdem hat der bekannte US-Journalist ein weiteres dieser Werke gewagt. Das Ergebnis kommt eher als modischer Essayband denn als reine Etikette-Nachhilfe daher.

Ratgeber sind meist nicht nur alles andere als einladend geschrieben. Mit ihrem lehrerhaften Ton geben sie einem oft auch noch das Gefühl, bisher alles falsch gemacht zu haben. Vor allem im Hinblick auf die Themen Etikette und Stil scheint die Liste der Fragen oft endlos, die Antworten kompliziert, die Beispiele altbacken. Doch was macht gute Umgangsformen und Stil eigentlich wirklich aus? Und wie lässt sich dieses Know-how zeitgemäßer und unterhaltender an den Mann bringen?

Für „Men and Style“ hat der amerikanische Journalist und Schriftsteller David Coggins lauter Menschen gefragt, die es wissen müssen: von Jay Fielden, Chefredakteur des renommierten Magazins „Esquire“, über Bruce Pask (Fashion Editor beim Nobelkaufhaus Bergdorf Goodman) bis hin zu Schriftsteller Nick Hainey. Die Essays und Interviews folgen jedoch keinem strengen Diktat, in dem der richtige Winkel für die Krawattennadel erklärt wird oder für die beste Körperhaltung Bücher auf dem Kopf balanciert werden müssen. Vielmehr ist das Buch wie der beste Freund eines jeden Mannes zu verstehen, mit dem man abends um die Häuser zieht und das eine oder andere Glas Wein trinkt – bis schließlich irgendwann die peinlichsten, aber auch amüsantesten Geschichten aus dem eigenen Leben ausgepackt werden.

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Für ihre ganz persönlichen Storys in „Men and Style“ mussten sich Regisseur Whit Stillman, Stil-Autor Glenn O’Brien und viele andere jedoch keinen Mut antrinken. Völlig ungezwungen erzählen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten etwa vom schrecklichsten Haarschnitt ihres Lebens, vom einzigartigen Stil ihrer Väter (von dem sie sich natürlich etwas abgeschaut haben) oder von den besten Errungenschaften in ihrem heimischen Kleiderschrank. So gesteht O’Brien etwa, wie er durch die Hippie-Ära lief: „Ich hatte Haare bis zum Gürtel, einen langen Bart – aber ein Tweed-Sakko dazu. Also ziemlich preppy.“

Deutlich wird dabei vor allem eines: Als Gentleman wurde niemand von ihnen geboren, fast alle haben Sünden im Kleiderschrank wie 80er-Hemden mit allzu „lauten“ geometrischen Prints und schlecht sitzende Bundfaltenhosen. Humor hilft also, vor allem beim Blick auf alte Fotos der Schul- oder Studiumszeit.

Was richtig oder falsch ist und welche Regeln es auf diesem Weg zur Stilsicherheit zu befolgen gilt, spielt in David Coggins’ Buch eher eine untergeordnete Rolle. Wenn es nach dem amerikanischen Schriftsteller geht, gibt es nämlich nur eine einzige, die zählt: „Mit genug Selbstvertrauen darfst du fast jede Regel brechen. Nur Schuhe mit eckiger Spitze vorn … da ziehe ich eine Grenze.“

Dennoch enthält der Band „Men and Style“ konkrete Tipps. Etwa eine herrlich verfasste Hommage an weiße (Schnür-)Schuhe, eine Diskussion über das Für und Wider von Strümpfen in Sommerschuhen und ein definitives „Yes“ zur Krawatte. „Eine gute Krawatte“, argumentiert Coggins, „ist wie eine modische Absichtserklärung. Sie drückt aus, dass Sie die Gesellschaft und Ihren Platz darin verstehen. Und diese kulturelle Macht behält sie auch wenn sie fehlt. Denn das ‚Warum‘ dafür, sie wegzulassen, ist ebenfalls eine message.“ Nachricht angekommen.

Fotos: Abrams Books

„Eine gute Krawatte ist wie eine modische Absichtserklärung"