Stilregeln à la française

Vom New Look in die Gegenwart

Es mag sein, dass Franzosen in Sachen Geschmack und Stil mit einem Quäntchen mehr Geschick aufwarten können. Was dran ist, bleibt am Ende doch nur Spekulation. Für uns ist das Klischee jedoch Grund genug, an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen eine Reihe landestypischer Ratschläge für ein optimales, maskulines Erscheinungsbild (à la Française) anzubieten. Nicht zuletzt auch mit Blick auf die zahlreichen Innovationen, mit denen Pierre Cardin die Männermode immer wieder erneuert hat und heute wieder erneuert.

„Meine Designs von früher werden gerade wieder so populär, ich muss damals also ziemlich richtig gelegen haben“, sagte der 94-jährige Modeschöpfer erst vor kurzem. Und keine Frage: Der Mann hatte bereits in den 1960ern eine ganz genaue Vorstellung davon, wie die modische Zukunft aussehen könnte und sollte. Die Vinyl-Miniröcke seiner Frauenkollektion und das legendäre Bubble Dress schrieben Fashion-Geschichte.

Doch auch in seiner Männerlinie brach der studierte Architekt und New-Look-Pionier etliche Tabus. So kombinierte er beispielsweise Sportswear mit formeller Garderobe und tüftelte an immer neuen Materialmischungen wie Stretch-Geweben und trug ganz nebenbei maßgeblich zur Ikonografie einer kulturellen Ära bei, die wir heute rückblickend als „Space Age“ bezeichnen.

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Heute: Vom Schuh bis zur Gesichtspflege

Sie schützen und verstecken nicht bloß die Füße, sie sind ein wichtiges Indiz für das Qualitätsbewusstsein ihres Trägers. Der beste Anzug und der lässigste Freizeitlook ist rasch ruiniert durch ungeputzte, klobige oder gar nicht hochwertige Treter. „Head to Toe“ bedeutet eben auch, dass ein Outfit nur so gut ist wie sein minderwertigstes Teil. Ähnliches gilt auch für Sneaker, die möglichst nicht aussehen sollten, als kämen Sie gerade vom Bolzplatz, sondern als hätten Sie gerade eine Vernissage im Marais besucht.

Pflege

Benutzen Sie eine Feuchtigkeitspflege, trinken Sie viel Wasser, sorgen Sie für ausreichend Schlaf – und Ihre Haut wird sich mit jugendlicher Elastizität bedanken. Fältchen und ergrauende Haare sind heldenhafte Abzeichen des Älterwerdens und sollten genauso respektiert und stolz getragen werden. Franzosen meiden zudem die Sonne, bleiben ihrem Hauttyp treu und kümmern sich um Wichtigeres als Kosmetik. Etwa dem Öffnen einer gut gekühlten Flasche Sancerre.

Passform

Der korrekte Schnitt ist Franzosen extrem wichtig, von der Hose bis zum Sakko, das schmal am Körper sitzen und nicht zu lang ausfallen sollte. Die Schultern und die Achselhöhe müssen ebenfalls mit Ihrem Körper konform gehen, auch die Hemdmanschette sollte nicht noch Platz für eine weitere Hand bieten. Kein Franzose würde sich außerdem in einen Jeans-Cut zwängen, der offensichtlich nicht für seine Figur gedacht ist.

Vergessen Sie Trends, die weder etwas mit Ihrem Leben noch mit Ihrer Silhouette zu tun haben und beides in ein eher unvorteilhaftes Licht rücken. Nein, der Baggy Style sah noch nie gut aus, nicht einmal bei „Marky“ Mark Wahlberg. Vorsicht auch beim oft geäußerten Rat, wer zwischen zwei Größen liege, solle stets die kleinere wählen. Was, wenn Sie der Kauf dann doch nicht zum Spurt ins Gym motiviert?

Materialien

Stimmt nicht ganz, wir sprachen ja gerade über den wichtigen richtigen Schnitt. Trotzdem sollten Sie Leinen, hochwertiges Denim, tolle Baumwolle, Cashmere und Leder sowie neuartige, innovative Mischungen immer rein aus Kunstfasern gefertigten Teilen vorziehen. Darauf kommt es ausschließlich an. D’accord?!

Accessoires

Neben dem von September bis Mai omnipräsenten Schal – und ja, die wissen auch, wie man(n) ihn richtig bindet – sind die Franzosen auch bei Männerschmuck nicht ängstlich. Nicht zu viel, am liebsten Stücke mit sentimentaler Bedeutung und immer so, dass sie im Büro von Ärmel oder Hemd verdeckt werden können.

Bei Uhren sollten Sie eher auf Lederarmbänder oder Canvas setzen. Und das Einstecktuch gehört definitiv ins Stil-Repertoire, denn es macht das Office-Sakko mit einem Handgriff zum Look für den After Work Club. Noch eine Faustregel, die Coco Chanel uns allen mit auf den Weg gab: „Bevor Sie das Haus verlassen, schauen Sie unbedingt noch einmal in den Spiegel … und entfernen Sie ein Accessoire.“

Lagenlook

Zuletzt ein komplexes, aber brandaktuelles Thema: Ein Outfit aus eleganten wie praktischen Lagen zu bauen, wird oberste Pflicht in der Männermode. Nicht nur, weil die Franzosen es uns seit Jahren vormachen, sondern weil hektischer Alltag und klimatische Veränderungen eine hohe Flexibilität erfordern. Kurz: die fast saisonlose 24-Stunden-Garderobe. Eine Styling-Herausforderung, die niemanden erschrecken muss.

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Hier ein paar Tipps:

Die kluge Basis bilden Farben wie Marineblau, Grau, Schwarz, Braun und Weiß. Und eine geschickte Kombination von weit und schmal geschnittenen Teilen mit unterschiedlichen Material-Oberflächen. Wenn es der Dresscode erlaubt, dürfen zudem Elemente formeller Garderobe mit Casual- sowie Sportswear-Looks kombiniert werden.

Das wie angegossen sitzende Sakko in Marine trifft dann auf eine hochwertige Jeans in Nachtblau oder Schwarz, einen Cashmere-Pullover oder -Hoodie in Anthrazit oder Bordeaux und ein weißes Oxford-Shirt aus rustikaler Baumwolle. Alternativ zum Sakko würde ein Franzose auch eine schmal geschnittene Biker-Jacke ohne allzu auffällige Metalldetails und Taschen tragen. Dazu weiße Leder-Sneaker oder Chelsea Boots.

C’est ça.